USA: Irak-Kriegsdienstverweigerer Drucken

Politische Flüchtlinge aus den USA

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Wenn beliebte Sportveranstaltungen wie Basketballmeisterschaften stattfinden, häufen sich Werbungen, die den jungen Menschen Träume von Sportlichkeit, Studium und Karriere versprechen, wenn sie der Armee beitreten. Ein Spot zeigt einen jungen Schwarzen und einen jungen Latino, die stolz ihren Eltern die Entscheidung verkünden, in die Armee zu gehen. Was bei diesen Werbungsspots verschwiegen wird ist, dass Hunderte GIs im Irak gestorben und Tausende schwer verwundet worden sind. Ebenfalls verschwiegen wird, dass es zu den Aufgaben der GIs gehört, irakische Dörfer zu zerstören und Zivilpersonen zu töten. Natürlich wird auch verschwiegen, dass es zahlreiche Soldaten gibt, die ihren Dienst im Irak verweigern. Hier sind ein paar ihrer Aussagen:

Camilo Mejia entschied sich nach sechs Monaten im Irak während eines kurzen Heim­urlaubs, nicht mehr in den Irak zurück zu gehen. „Die Rechtfertigung für die­sen Krieg ist Geld und kein Soldat sollte in den Irak gehen uns sein Leben opfern für Öl. Das ist ein un­moralischer, ungerechter und illegaler Krieg!“ sagte er zur Presse. Im Irak hatte er gesehen, was der Krieg aus den Menschen macht, das Leid und die täglichen Demütigungen. Diese Erfahrung hat ihn für immer verän­dert. „Ich erfuhr, dass die Todesangst Soldaten in Killermaschinen verwan­deln kann. (…) Als ich heimkam, sah ich den Widerspruch zwischen militä­rischer Pflicht und moralischer Ver­pflichtung in aller Klarheit. Ich konnte nicht länger Teil dieses Krieges sein“. Am 21. Mai verurteilte das Militär­gericht Camilo Mejia wegen Desertion zu einem Jahr Gefängnis.

Stephen Funk wurde nach sechs Monaten Gefängnis im März 2004 entlassen. Der 20-jährige GI sagte: „Es gab für mich keinen Weg in der Marine zu bleiben, ohne meine Selbstachtung zu verlieren. (…) Ich hoffe dass auch andere Soldaten erkennen, dass sie mehr als nur Rädchen in der Maschinerie sind und die Macht haben, etwas zu verändern. Nach seiner Freilassung sagte er bei einer Willkommensparty, die die Antikriegsbewegung für ihn veranstaltet hatte: „ Das Richtige zu tun und dafür bestraft zu werden ist viel besser, als den Rest seines Lebens im System zu verbringen mit dem Bewusstsein, etwas Falsches getan zu haben“.

Jeremy Hinzman hatte bereits den Status als Verweigerer aus Gewissenssgründen vor seinem Einsatz in Afghanistan beantragt. Sein Antrag wurde abgelehnt und er wurde nach Afghanistan geschickt. Dort musste er bis zu 16 Stunden täglich Teller waschen. Als er auch in den Irak geschickt werden sollten, zog er es vor, mit Frau und Kind nach Kanada zu fliehen, so wie es schon vor ihm viele Kriegsdienstverweigerer im Vietnamkrieg getan hatten und um politschen Asyl anzusuchen. Hinzman warf auch Licht auf die Sitten bei den US-Streitkräften „Wenn wir marschiertenwurde gesungen: ‚Lerne töten! Töten werden wir!’ oder ‚Was lässt das Gras wachsen? Blut, helles rotes Blut!’ Man sagte, es sei nur Spaß, aber das prägt sich ins Bewusstsein ein. Die tägliche Konversation klang wie ein Gangster-Rap-Song, ständig frauenfeindliche Sprüche auch von Leuten, von denen du das nicht vermutet hättest. Und so ein Verhalten wurde fast von dir erwartet. Der Gegner nur mit verächtlichen Ausdrücken bezeichnet, um die Leute, gegen die man kämpfte, ihrer Menschlichkeit zu berauben“.

Brandon Huey war mit 17 in die Armee eingetreten um so sein Studium zu finanzieren. Doch bald danach zwang ihn der Einberufungsbefehl in den Irak seine Einstellung neu zu überdenken. „Ich wollte aus der Armee austreten, doch man wollte mich nicht entlassen. Man teilte mir mit, dass ich keine andere Wahl hätte als meine Koffer zu packen und in den Irak zu fahren. Ich war verzweifelt und dachte oft an Selbstmord. Doch dann las ich im Internet über den neuen ‚Underground Railroad’“, schrieb er in einem E-mail an die Organisation und bat sie um Hilfe bei der Flucht nach Kanada. Zum Filmemacher, der ihn auf der Flucht begleitete, erklärte er sine Gründe, warum er desertiert ist: „Ich empfinde es unmoralisch, was dort passiert. Bush hat internationales Gesetz gebrochen und jeder Soldat hat die Verantwortung, dagegen Widerstand zu leisten.“ Ihm war auch aufgefallen, dass das Militär versucht, zurückkehrende Truppen von abreisenden fernzuhalten. Er hat aber trotzdem gehört, dass viele Soldaten an unheilbaren Krankheiten leiden - wegen der Uranverseuchung, schlechter Ausrüstung und geringen Trinkwasserrationen – und dass die Moral sehr niedrig und die Selbstmordrate bei den Soldaten sehr hoch ist. Normal 0 21 false false false MicrosoftInternetExplorer4

erschienen in: Talktogether Nr. 9/2004