Somalia: Mugadischo Drucken

Mugadischo

Vom Handelszentrum zum Kriegshof?

von Abdullahi Osman

Mugadischo gehört nicht nur zu den größten Hauptstädten Afrikas, sondern ist auch eine der schönsten Städte auf diesem Kontinent. Mugadischo wurde im 8. Jahrhundert gegründet und aufgrund seiner günstigen Lage, trafen sich bald Seeleute und Händler von der arabischen Halbinsel, aus Persien, Europa und sogar aus dem fernen China in diesem natürlichen Hafen und machten Mugadischo im 14. Jahrhundert zu einer bedeutenden Handelsstadt. Mugadischo liegt auf einer Halbinsel, im Osten erstreckt sich der Indische Ozean und im Süden eine fruchtbare Landschaft mit Wiesen und Flüssen. Deshalb ist Mugadischo ist eine der wenigen Städte der Welt, in der man innerhalb einer Stunde einen Fisch fangen, mit eigenen Händen eine Papaya pflücken und frisch gemolkene Kamelmilch trinken kann. Die Wissenschaftler sind sich uneinig, woher das somalische Volk ursprünglich stammt, eines ist jedoch klar: Die Somalis waren ursprünglich zumeist Nomaden und Bauern, die ihre Produkte wie Milch, Fleisch, Gemüse und Obst in die Stadt brachten im Austausch gegen Zucker, Tee und Datteln.

Doch diese einst so blühende und lebendige Stadt hat nun schon seit 1989 keinen Frieden erlebt. Wer in Mugadischo aufgewachsen ist und heute zurückkehrt, kann die Stadt kaum wiedererkennen. Wo einst geschäftiges Treiben herrschte und es bunte Märkte, Schulen, Krankenhäuser, Universitäten, Theater, Fußballstadien und uralte Moscheen gab, sieht man heute nur zerstörte Häuser und Straßen und zwischen den Ruinen streuende Raubtiere wie Hyänen und Wildhunde. Für die Menschen in Mugadischo ist die Gewalt zum Alltag und die Stadt heute ein Kriegshof geworden, wo jeden Tag, jede Stunde, ja jede Minute ein Mensch ermordet wird und wo ein Menschenleben keinen Wert mehr hat. Doch nicht überall gibt es nur Ruinen. Der Handel mit importierten Waren aus aller Welt hat nie aufgehört, einige Leute, die vom Krieg profitiert haben, wohnen in Luxusvillen, während die anderen um ihr tägliches Brot kämpfen. Zu all den Problemen kommt noch, dass die fruchtbare Umgebung von Mugadischo zunehmend mit Dürren und Überschwemmungen konfrontiert ist und die Landwirtschaft schwere Einbußen erleiden musste.

Kurzzeitig gab es einen Hoffnungsschimmer, dass der Krieg vorüber sein könnte, als sich 2002 die Kriegsparteien in Nairobi zu Friedensverhandlungen trafen. Doch seit die derzeitige "Regierung" mit ihren ausländischen Truppen eingezogen ist, ist der Krieg neu entfacht, hasserfüllter, grausamer und unmenschlicher als zuvor. Unter dem Vorwand, Terroristen zu bekämpfen, bombardieren die, die sich Regierung nennen, erbarmungslos das, was von den Behausungen ihrer Bevölkerung noch übrig geblieben ist. Viele Menschen fliehen aus der Stadt in die Umgebung, und die Regierung versperrt internationalen Hilfsorganisationen den Zutritt zu den Flüchtlingslagern. Die Bevölkerung hat keinen Funken Vertrauen mehr in diese Regierung, die äthiopische Truppen ins Land geholt hat, um ihre Herrschaft mit Gewalt durchzusetzen. Aber auch die religiösen Fanatiker, ohne Ahnung vom Leben und den Bedürfnissen der Menschen, haben das Vertrauen der meisten längst verloren.

Leider sieht es heute so aus, als ob von der einstigen Schönheit nur mehr der blaue Indische Ozean übrig geblieben sei. Der Schlüssel zum Frieden kann nur die Einstellung jeder ausländischen Unterstützung für dieses grausame Treiben sein. Würde der Frieden hier wieder einkehren, würden auch sehr bald wieder Schiffe im Hafen Mugadischos landen und das Leben könnte erneut aufblühen. Doch solange gekämpft und gemordet wird, möchte nicht einmal ein Vogel hier landen, und wenn schon, dann nur ein Raubvogel.

erschienen in: Talktogether Nr. 20/2007