Drogen: Hetzjagd auf die Süchtigen Drucken

Big Brothers Hetzjagd auf die Drogensüchtigen

Suchtprävention auf österreichisch

Mitten unter uns, in unserer zivilisierten „demokratischen“ Gesellschaft werden Menschen aufgrund eines Lasters (oder Leidens?) nicht mehr als MitbürgerInnen behandelt und das schon seit Jahrzehnten. Es ist an der Zeit, auf all die Repressalien, die bei jener Minderheit angewandt werden, aufmerksam zu machen: erniedrigende Leibesvisitationen, Entzug des Wahlrechts, Entzug des Führerschein oder Reisepasses (1). Wir reden hier nicht von Terroristen. Nein, gemeint sind Drogenkranke und da wiederum im speziellen die von der Opiat-Prohibition Betroffenen, selbst wenn sie schon auf die 60 zugehen.

Jeder weiß um das große Suchtpotenzial von Heroin und Opiaten bescheid. Und egal ob einige Male auf einer Party oder im Ausland probiert, manche die das Gefühl einmal kennen gelernt haben, möchten es wieder haben. Durch den Vietnamkrieg über die USA auch nach Europa gekommen, mitsamt Flower Power und Pop-Musik, ist es zu einem guten Geschäft geworden, und die Gewinnspanne wird durch die unverhältnismäßig hohen Strafen aufrecht erhalten.

Ich möchte dieses Laster – heutzutage auch als Krankheit bezeichnet – gar nicht beschönigen und bin sogar für ein striktes Verbot, zumindest bis zu einem gewissen Alter. Danach sollte die Persönlichkeit bereits so gefestigt sein, dass wegen einer kontrollierte Freigabe dieses natürlichen Schmerzmittels sich kaum jemand auf die diabolischen Tücken dieser Sucht einlassen würde – das zeigten Versuche in Ländern wie Holland, Niedersachsen und der Schweiz.

Doch hierzulande werden jene Substanzen durch die drastischen Maßnahmen zu einem geheimen und elitären Laster verwandelt. Da braucht man nicht einmal mehr in jedem dritten Fernsehkrimi subtile Werbung dafür zu machen, um Neugierde der Jugend zu wecken. Drei Jahrzehnte Suchtprävention haben keine Eindämmung gebracht. Bis heute kennt ein Großteil der Erwachsenen nicht einmal die Unterschiede zwischen den verschiedenen Drogen – selbst die Medien vermischen alles, denn auch ihr erklärtes Ziel ist es die Verdammten dieser Gesellschaft als asoziale Kriminelle zu verkaufen. Dabei wird immer wieder vergessen, dass es sich bei der Drogensucht um ein typisches Phänomen unserer Konsumgesellschaft handelt, wie auch bei der Spielsucht oder der Magersucht...

Keine Entschuldigung, wird sich inzwischen vielleicht manche/r LeserIn sagen, es gibt doch Substitutionsprogramme und Entzugskliniken. Es gibt sie, aber die Zuhälter der psychiatrischen Medizin verstehen ihr Handwerk. Man muss wissen: Bei einem Süchtigen bedarf es meist einer Notlage und erst nach tagelangen schweren Entzugsqualen kommt es zum Entschluss, mit den Drogen aufhören oder Hilfe finden zu wollen. Aber den Ärzten ist es inzwischen nicht mehr erlaubt, diesen Menschen zu helfen: Verweis an die Drogenambulanz. Dort nächstmöglicher Termin: ca. in sieben Wochen! Ein Affront wider den hypokratischen Eid! Was wäre, wenn man einen Diabetiker wegschicken und ihm sagen würde, er solle in sieben Wochen wiederkommen um sein Insulin zu bekommen? Und für einen Platz in einem Entzugszentrum muss man gar mehrere Monate warten. Nein, derlei Kranke bekommen keine Linderung, im Gegenteil, das nicht endende Leiden soll sie seelisch brandmarken. Nach sieben Wochen ist selbst der stärkste Entzug überwunden, tot oder lebendig. Oder aber, es kommt zum Tony-Vegas-Syndrom (2).

Resumee: Dieses heuchlerische Substitutionsangebot ist vor allem für Jugendliche von Interesse, zumindest für jene Cliquen, die durch „anderssein“ der sozialen Plattenbautristesse entkommen wollen und sonst keine Möglichkeit haben, an die Drogen zu kommen. Sie kennen Tricks, wie Rückstände im Urin und werden dann auch prompt auf die Ersatzdroge Methadon eingestellt, aber nicht nur für sieben Wochen sondern mindestens für ein halbes oder ganzes Jahr.

Als Substitution erhält man dann nicht etwa das Jahrhunderte lang erprobte gut verträgliche Laudanum (3), sondern man wird an das behördlicherseits installierte Methadonprogramm verwiesen. Dazu der Kommentar eines Psychiaters an einer österreichischen Nervenklinik: „Methadon ist eine noch gefährlichere Substanz als Heroin, selbst der Entzug davon ist schwieriger und langwieriger als der von Heroin“. Nur die erwünschte Euphorie fehlt, was wiederum manche Substitutions­patientInnen dazu verleitet, zusätzlich zum Methadon noch andere Drogen zu konsumieren. Ein Teufelskreis! Selbst eine fallweise Reduzierung der Dosis ist nicht möglich, denn man muss das Medikament vor den Augen der Apotheker einnehmen.

In Vorarlberg wurde 1992 festgestellt, dass 70% der Inhaftierten wegen Drogendelikten oder der mit der Drogenabhängigkeit verbundenen Beschaffungskrimina­lität „sitzen“; und nach Statistiken des BKA sind es in manchen Großstädten Deutschlands sogar bis zu 90%. Nur eine individuelle Behandlung und gegebenenfalls eine durch den Arzt kontrollierte Abgabe an geeigneten Drogen könnte dieses Elend eindämmen. Man hat aber den Eindruck, dass nicht die Hilfe, sondern nur die Kontrolle über die Süchtigen das Ziel der österreichischen Drogenpolitik ist.Forum Legalize Laudanum 

(1) Zumindest im Falle einer Verurteilung, was aufgrund der Illegalität aber nicht unwahrscheinlich ist
(2) Beschaffungskriminalität
(3) Opiumtinktur

 


DROGEN UND KRIEG – EIN EINTRÄGLICHES GESCHÄFT

Es gibt zahlreiche Drogen, an denen der Staat durch Steuern mitverdient: Alkohol, Tabak, Psychopharmaka ... Der Konsum dieser Drogen wird auf verschiedene Arten gefördert. Wenn man sich depressiv oder traurig fühlt, bekommt man ein Medikament vom Arzt verschrieben. Auch die Werbung suggeriert täglich, dass der Kauf dieses oder jenes Produktes das Leben glücklicher machen würde. Wen wundert’s dann, dass Menschen versuchen, sich Glück und Wohlgefühl durch den Konsum von Drogen zu verschaffen. Während Konsumenten illegaler Drogen bestraft werden, sind sie für viele ein einträgliches Geschäft. Drogen spielen bis heute in den meisten Kriegen eine bedeutende Rolle: In Vietnam, in Kolumbien, in Afghanistan und auf dem Balkan. Durch Drogengeschäfte werden Waffen und Söldner finanziert und abhängige Soldaten sind leicht steuerbar. Nach dem Bosnienkrieg stieg die Zahl der Drogenabhängigen im ehemaligen Jugoslawien sprunghaft an. Allein in der kroatischen Hafenstadt Split - einer Stadt mit nur etwa 189.000 EinwohnerInnen - wurden 10.000 Heroinabhängige registriert!

Opiumkrieg 1840-42: Opium wurde von den Briten als Mittel verwendet um China zu kolonialisieren. Es wurde von ihnen in großen Mengen in Indien angebaut und nach China gebracht, wo sie einen großen Umsatz machten. Bereits 1729 wurde die Einfuhr von den chinesischen Behörden verboten. Von dort an begannen riesige Einschmuggelaktionen von Opium. Sie nahmen im 19. Jahrhundert solche Ausmaße an, dass die all­gemeine Volksgesundheit gefährdet war. Als China 1840 das Opium-Handelsverbot erneuern wollte, antwortete Großbritan­nien mit Krieg und mit der gewaltsamen Öffnung chinesischer Häfen. Am Ende des Krieges musste China die Opiumeinfuhr erlauben und vier Häfen für den Handel öffnen und einen Hafen, Hongkong an Großbritannien abtreten. Vor der Revolu­tion waren in China 70 Millionen Menschen opiumabhängig.

erschienen in: Talktogether Nr. 3/2003