Frauensolidarität in Salzburg

Unter dem Motto „Frauensolidarität“ feierten am 8. März mehr als 60 Frauen aus verschiedenen Herkunftsländern und mit unterschiedlichen beruflichen Hintergründen im Bewohnerservice Lehen den internationalen Frauentag und diskutierten mit Expertinnen und Aktivistinnen über konkrete Möglichkeiten der Frauensolidarität.
Die Themen, über die an den Erzähltischen diskutiert wurden, reichten von Pflege, Kinderbetreuung, Gewaltprävention, politischer Teilhabe bis hin zu Gleichstellung und Gleichberechtigung. Das Ziel war es, gemeinsam Ideen für die Vernetzung und Zusammenarbeit in diesen Bereichen in Salzburg zu sammeln. Als Inspirationsquelle diente auch eine Ausstellung mit Beispielen der Frauensolidarität aus aller Welt. Obwohl in der Vorbereitungsphase darüber diskutiert wurde, dass Themen wie Kinderbetreuung und Gewaltprävention nicht nur Frauensache sind, sondern auch die Männer angehen, haben wir uns auf weibliche Expertinnen beschränkt.
In der Erzähl-Runde zum Thema Pflege informierten die Krankenpflegerinnen Shakila Omar und Merceline Otieno über den Beruf, die Rahmenbedingungen der Ausbildung und den Erwerb von Zusatzqualifikationen. Beide Frauen erzählten über die Herausforderungen bei der Ausbildung und im Arbeitsalltag, betonten aber, wie erfüllend die Arbeit mit Menschen, die auf Hilfe angewiesen sind, für sie persönlich ist. Schließlich informierte Liliane Walch von der Betriebsseelsorge über das 24h-Betreuuerinnen-Café im ABZ und rief auf, diese Frauen, die isoliert voneinander arbeiten und wenige Möglichkeiten haben, sich zu vernetzen und auszutauschen, nicht zu übersehen.
Das Interesse am Tischthema Kinderbetreuung war groß, wobei zahlreiche strukturelle Probleme zur Sprache kamen. Es fehlen beispielsweise Deutschkurse mit Kinderbetreuung, eine kostengünstige Ferienbetreuung sowie leistbare Plätze in Krabbelgruppen. Die Expertinnen Stefanie Amstler, Sonderpädagogin und ehemalige Betriebsratsvorsitzende, sowie Susan Fazekas, die in einem Betriebskindergarten arbeitet, brachten ihre Erfahrungen und Ideen ein, wie Begegnungsräume zur Vernetzung und zur gegenseitigen Unterstützung entstehen können. Besonders für Migrantinnen, die kein familiäres Unterstützungsnetz verfügen, sind Elternfrühstücke im Kindergarten hilfreich, um andere Eltern kennenzulernen.
Am Erzähltisch zum Thema Gleichstellung/Gleichberechtigung stellten Selina Oberortner die Anti-Diskriminierungsstelle sowie Judith Hartl das Zentrum für Frauen und Geschlechterforschung Gendup an der Universität Salzburg vor. In beiden Einrichtungen stehen Chancengerechtigkeit und Gleichstellung im Mittelpunkt. Alle Diskutierenden waren sich einig: Der Schlüssel für eine positive Veränderung liegt in Begegnungsräumen, in der Vernetzung und im Durchhaltevermögen, wobei die Sprache eine wichtige Voraussetzung ist, um die eigenen Anliegen formulieren und sich Gehör verschaffen zu können.
Am Tisch „Politische Partizipation“ erzählten Marie-Edwige Hartig (12 Jahre im Linzer Gemeinderat) und Folasade Soyoye (seit September 2024 Gemeinderätin in der Stadt Salzburg) über die Herausforderungen, mit denen Frauen und People of Color in der Politik konfrontiert sind. Insbesondere für Mütter sei diese Aufgabe nur mit einem starken familiären Unterstützungsnetzwerk zu bewältigen. Mit den Teilnehmerinnen wurde auch darüber diskutiert, wie schwierig es ist, junge Menschen von der Wichtigkeit politischer Beteiligung zu überzeugen. Marie Hartig erzählte von positiven Veränderungen, die in Linz mit vereinten Kräften erkämpft werden konnten, diese seien aber Ergebnisse langwieriger Prozesse, die meist erst nach Jahren sichtbar werden. Politische Partizipation finde aber nicht nur bei Wahlen oder im Rahmen von politischen Parteien statt, auch die Gründung von Vereinen sei eine gute Möglichkeiten, um sich zu organisieren und eigene Anliegen und Forderungen kundzutun.
Frauensolidarität ist auch ein wichtiger Faktor in der Gewaltprävention. Die Koordinatorinnen des Projekts „StoP – Stadtteile ohne Partnergewalt“ lieferten wertvolle Inputs, in welchen Formen Gewalt auftritt und wie nachbarschaftliche Unterstützungsnetzwerke Betroffene unterstützen und schützen können. Gewaltprävention müsse jedoch bereits in der Kindheit und Jugend beginnen. Darüber hinaus sollten Politik, Justiz und Polizei weiterhin für das Thema sensibilisiert werden, auch Schutzmaßnahmen und Interventionsmöglichkeiten bei häuslicher Gewalt müssen gestärkt und erweitert werden.
Nach den Erzählcafés wurde beim gemeinsamen Fastenbrechen köstlich gespeist, weiter angeregt diskutiert, Kontakte geknüpft und Pläne geschmiedet. Abgerundet wurde das Fest mit internationaler Musik, Gesang und Tanz bei ausgelassener Stimmung. Eine Teilnehmerin meinte: „Das Frauenfest sollte nicht einmal im Jahr, sondern jede Woche stattfinden!" Auch die Expertinnen bestätigten, dass sie durch die Veranstaltung neue Einblicke gewinnen und vieles für sich mitnehmen konnten.
Das Frauenfest wurde von der „Drehscheibe Integration“ (Frau & Arbeit), den Bewohnerservicestellen Salzburg (StoP Stadtteile ohne Partnergewalt), dem ABZ (Kirche und Arbeitswelt), dem Projekt SAFI (Ibis acam), Dr. Sumeeta Hasenbichler und dem Verein Talk Together organisiert. Finanziell unterstützt wurde die Veranstaltung vom Land Salzburg und der Stadt Salzburg. Fotos: Maia Loh
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