Europa erfindet die „Zigeuner“ PDF Drucken E-Mail

Europa erfindet die „Zigeuner“

Eine Geschichte von Faszination und Verachtung.

Ein Buch von Klaus-Michael Bogdal.

Wie funktioniert es, dass alle Empathie und menschlichen Gefühle ausgeschaltet werden können? Dazu genügt es nicht, ein Gerücht in die Welt zu setzen, schreibt Klaus-Michael Bogdal, es muss ständig neu in Umlauf gebracht werden, aufrechterhalten und verstärkt werden. Wer die Geschichte von der Wahrnehmung der Romvölker seit ihrer Ankunft in Europa verfolgt, die Bogdal in seinem Buch zeitlich und geographisch umfassend darstellt, wundert sich nicht mehr, dass es schließlich zum industriellen Massenmord in den Konzentrationslagern kommen konnte. Die Vorfälle, die wir heute Ländern wie Ungarn, Rumänien, Italien, Frankreich, der Slowakei oder dem Kosovo erleben, zeigen uns auf erschreckende Weise, dass dieses traurige Kapitel bis heute noch nicht beendet ist.

Teilnehmer*innen der Gedenkfeier zum Gedenktag der Roma und Sinti am 2. August 2015 in Auschwitz
(Verena Aziz / Verein Phurdo)

Weil es Jahrhunderte lang keine Berichte von ihnen selbst gab, waren es die Chronisten, Schriftsteller, Künstler und Bürokraten – meist Leute, die ihnen meist nie persönlich begegnet sind und nur von ihnen gehört hatten – die ihnen jene Eigenschaften zugeschrieben haben, die das Bild von ihnen Jahrhunderte lang prägten. Man bezeichnete sie als Ägypter, Böhmen oder Tataren, sah sie als Heiden oder Teufelsanbeter, die nichtchristliche Praktiken ausübten, man schätzte ihre Dienste als Wahrsager und fürchtete ihren Zauber. Sie wurden beschrieben als Diebe, Lügner, unzähmbare Wilde oder Asoziale, deren Existenz als Gefahr beschrieben wurde und deren Nähe man nicht duldete. Als besitzlose Völker aus den Steppen und Wäldern wurden die Romvölker – im Gegensatz zu den Juden – als Menschen jenseits von Zivilisation, Rationalität und Kultur wahrgenommen, und erweckten bei der bürgerlichen Bevölkerung einerseits Ekel, auf der anderen Seite Neid und Bewunderung für eine Freiheit, die der zivilisierte Mensch weitgehend eingebüßt hat.

Die Ankunft der Pilger aus Ägypten

Bei den Romvölkern in Europa handelt es sich um mehr als zehn Millionen Menschen, die auf unterschiedlichen Wegen eingewandert sind und im späten Mittelalter nahezu jeden Landstrich des Kontinents erreichten. Als ihre Ankunft im frühen 15. Jahrhundert erstmals dokumentiert wurde, hielt man sie für Pilger aus dem Morgenland. Da die nomadische Lebensweise in Europa schon seit langem verschwunden war, kannte man nur drei Gruppen von Fremden: Spähtrupps der Türken und Mongolen, die gnadenlos verfolgt wurden, Reisende und Händler, die willkommene Abwechslung boten, und Pilger, denen man eine zeitlang Obdach und Almosen gewährte. Meist waren diese Pilger mit Empfehlungsschreiben und Schutzbriefen ausgestattet, einer Praxis, der sich auch die Neuankömmlinge bedienten. Sie schienen sehr anpassungsfähig zu sein, denn von Sprach- oder Verständigungsschwierigkeiten wird nicht berichtet. Der herrschenden Gesellschaftsordnung folgend traten sie als von einem Herzog oder König angeführte feudale Gruppen auf, deren Anführer oft bei lokalen Würdenträgern empfangen wurden.

Die Romvölker trafen aber in einer von tiefen Umbrüchen gekennzeichneten Übergangsepoche in Europa ein. An der Schwelle der Moderne änderten sich die Eigentumsverhältnisse und es entwickelte sich ein territoriales Denken, zu der das Nomadenleben im Widerspruch stand. Es gab kaum noch einen Flecken Land, das keinen Besitzer hatte. So wurde eine Romgruppe, die im Fichtelgebirge auf brachliegendem Boden Nutzgärten angelegt hatte, vertrieben, weil der Zugang zum Land nicht mehr frei war. Während die Lebensweise der Romvölker dem frühchristlichen Ideal der Armut und Besitzlosigkeit entsprochen hatte,

musste man nun, um in der Gesellschaft verankert zu sein, entweder selbst Besitz haben oder einem Herren dienen. Ihre Lebensweise widersprach auch der protestantischen Arbeitsethik, die ihre Lebensweise als Faulheit und Sünde verurteilte. So lebten sie mitten in der Gesellschaft ohne Mitglieder zu sein. Eine Integration war für sie nur auf der untersten Stufe der Hierarchie möglich – nämlich als Sklaven und Leibeigene im Dienste von Fürsten und Klöstern wie in Moldawien, der Walachei, Ungarn und Siebenbürgen.

Generell verschärfte sich die soziale Lage in Europa und immer mehr Menschen verloren Eigentum und Obdach. Die Väter der späteren Arbeiterklasse wurden in Vagabunden und Bettler verwandelt, zu denen sich die besitzlosen Romvölker gesellten. Als Abschreckung von „Zigeunern“ und Vagabunden wurden an den Stadtgrenzen Schilder angebracht, die in Bildern die zu erwartenden Strafen eindringlich darstellten. Ob es sich bei der Broschüre, die von der Stadt Salzburg an Bettler und Bettlerinnen ausgegeben wurde, um eine moderne Variante davon handelt?

Humanismus, Aufklärung, Zwangsassimilierung

Das 18. Jahrhundert war das Zeitalter der Kolonialisierung nicht nur anderer Kontinente, sondern auch im Inneren: Unbebautes Land wurde der wirtschaftlichen Nutzung zugeführt, Sümpfe wurden trockengelegt und territoriale Eroberungen im Bewusstsein der eigenen Überlegenheit als Zivilisierungsprojekt angesehen. Aufgeklärte Mediziner, Anthropologen und Sprachforscher gaben sich nicht mehr mit der biblischen Erklärung zufrieden, die Roma wären als Nachfahren von Ham von Gott mit dem Fluch der dunklen Hautfarbe und einer untergeordneten sozialen Stellung bestraft worden. Als man ihre indische Abstammung und die Verwandtschaft ihrer Sprache mit dem bewunderten Sanskrit entdeckte, ordnete man sie den Parias, der untersten Kaste im indischen Kastensystem, zu.

Die „Zigeuner“ galten als unzivilisiert und uneuropäisch und spiegelten die Verachtung des Bürgertums für die eigene Unterschicht wider. Das Fehlen vertrauter Strukturen und Hierarchien machte sie für die Herrschenden unkontrollierbar. Während in Spanien die Roma zugleich mit Mauren und Juden schon im Zuge der Reconquista zum Christentum gezwungen worden waren und man ihnen verboten hatte, ihre Sprache zu sprechen und ihre Tracht zu tragen, setzten die Versuche zur Zwangsassimilierung im übrigen Europa meist erst im 18. Jahrhundert ein. Man sah sie als ungenutzte Ressource, beschlagnahmte ihren Besitz und ihre Lebensgrundlage, zwang sie zur Arbeit in Silberminen oder nahm ihnen die Kinder weg und übergab sie in Waisen- und Spinnhäuser. Im Habsburgerreich zwangen Maria Theresia und Josef II die Roma, in den Militärdienst einzutreten oder Landbau zu betreiben. Der Schulbesuch der Kinder und der sonntägliche Gottesdienst wurden zur Pflicht. Man wollte die Roma auf niedrigem Niveau assimilieren, Kirche und Schule sollten dabei als Mittel zur Disziplinierung dienen.

Romantik vs. Rassismus

Auf der anderen Seite entstand nach Rousseaus Konzept von den glücklichen Wilden eine Zigeunerromantik, die eine Sehnsucht nach Freiheit, Emotionalität und Sinnlichkeit ausdrückte, die der bürgerliche Mensch meist unterdrücken musste. Schriftsteller und Dichter befriedigten die Sensationslust des Publikums mit aufregenden „Zigeunergeschichten“ mit schönen und erotischen „Zigeunerinnen“. Figuren wie Lessings Nathan der Weise sowie individuell gezeichnete Charaktere fehlen in der europäischen Literatur jedoch weitgehend. Die europäische Zivilisationsgeschichte, die die Entdeckung des Individuums zu ihrer herausragenden Errungenschaft zählt, verweigert in Kunst und Kultur den Angehörigen der Romvölker den Subjektstatus.

Im 19. Jahrhundert sahen Künstler in den Liedern, Tänzen und Geschichten der Roma eine bisher unausgeschöpfte Ressource. Der Komponist Franz Liszt (1811-1886) war fasziniert von der Musik der ungarischen Roma und studierte auch die Musik der spanischen, rumänischen und russischen Roma. Die Beschäftigung mit der Folklore der Roma artete aber nicht selten in Trivialität aus. In Spanien, Ungarn und Russland, wo die Kulturen am meisten vom Einfluss der Roma geprägt sind, wurden Musik und Tänze der Roma jedoch als fester Bestandteil regionaler und nationaler Identität anerkannt, was ihnen aber nur selten dazu verhalf, ihre soziale Lage zu verbessern.

In einer Zeit, wo das Recht zunehmend auch auf private Beziehungen ausgedehnt wurde, lebten die Roma an den unkontrollierbaren Rändern der Gesellschaft und wurden deshalb als Gefahr angesehen. Man mied die Begegnung mit ihnen und fürchtete Verbrechen, Krankheit und Armut. In einer Umkehr der realen Machverhältnisse wurden schlechte Hygiene, Unterernährung, Alkoholismus und Kriminalität nicht als Folge der sozialen Verhältnisse, sondern als Rasseneigenschaft beschrieben, und die Unterdrückten zur Bedrohung erklärt. Man sprach ihnen ab, Europäer zu sein, die Vorschläge reichten von ethnischer Säuberung bis zur Deportation – zunächst nur auf dem Papier.

Prominente Vertreter dieses rassistischen Blicks waren der deutsche Philosoph Friedrich Nietzsche und der schwedische Schriftsteller August Strindberg. Im Strafrecht schlug diese Denkweise in Gesetzen gegen Landstreicherei nieder. Schon vor 1914 wurden in Deutschland die Papiere von Sinti gekennzeichnet, um die Identifizierung zu erleichtern und den raschen Zugriff der Behörden zu gewährleisten. Die Wissenschaften förderten bewusst die Politik der Ausgrenzung, Verfolgung und Vernichtung, indem sie eine auf den Naturwissenschaften beruhende Theorie des Sozialdarwinismus verfolgten, nach der biologische Gesetzmäßigkeiten auf menschliche Gesellschaften übertragen werden und behauptet wird, dass es ein Naturgesetz sei, dass nur die Stärkeren überleben und die Unterlegenen untergehen.

Roma in der Sowjetunion

Während sich der Rassismus in Europa zuspitzte und in vielen Ländern faschistische Regime die Macht ergriffen, die Jagd auf Angehörige der Romvölker machten, war die Entwicklung in Russland grundsätzlich anders. Im Gegensatz zu den anderen Teilen Europas waren die Roma in Russland nie der Verfolgung ausgesetzt, sondern wurden selbstverständlich als Teil der armen Bevölkerung angesehen. Ihre Unterhaltungskünste waren auch am Hof des Zaren beliebt und es wurde ihnen der Verdienst zugeschrieben, einen wesentlichen Beitrag zur Volkskultur geleistet zu haben. In den Beschreibungen von ihnen gibt es zwar viele Klischees, es fehlt aber der Ton der Verachtung.

In der sozialistischen Sowjetunion galten die Romvölker als Angehörige der besitzlosen Klasse, und die Gesetzgebung unterschied sich grundsätzlich von der in allen anderen europäischen Ländern. Als Volk ohne eigene Sowjetrepublik wurden ihnen volle Minderheitenrechte zugestanden, die Pflege der eigenen Sprache und Kultur sowie die Bildung eigener Interessensverbände wurden gefördert. Dem 1925 gegründeten Allrussischen Zigeunerverband trat allerdings nur ein sehr kleiner Prozentsatz der Rom-Bevölkerung bei. Diese leistete Propagandaarbeit für Bildungs- und Ausbildungsprogramme und Gesundheitsvorsorge. Den Romgruppen wurde zudem Land zugeteilt und finanzielle Starthilfen gewährt. Von den „Zigeunerkolchosen“ in der Ukraine wirtschafteten einige auch recht erfolgreich. Außerdem organisierten sich Roma in Genossenschaften, die Gründung von Handwerksbetrieben und kleineren Fabriken wurde vom Staat finanziell und propagandistisch unterstützt.

Vor allem die Bildungs- und Kulturarbeit spielte eine bedeutende Rolle. Alphabet, Grammatik und Wörterbücher des Romanes wurden entwickelt, zweisprachige Lehrer ausgebildet und literarische Werke ins Romanes übersetzt. Rom-Autoren wurden ermutigt, selbst Werke zu veröffentlichen. Das 1931 in Moskau gegründete Theater Romen, das heute noch existiert, inszenierte literarische Werke und unternahm Tourneen zu nomadisch lebenden Romvölkern. Viele nutzten die Chancen, die ihnen diese Zeit bot, um über Bildung und Ausbildung eine angesehene gesellschaftliche Position zu erlangen.

Der Nationalsozialismus und seine Folgen

Die Jahrhunderte lange Ausgrenzung in Europa gipfelte im Völkermord des Nationalsozialismus. Roma und Sinti wurden in Konzentrationslagern interniert, als Zwangsarbeiter missbraucht und schließlich vergast, oder sie wurden Opfer von Massenerschießungen in den besetzten Gebieten, Tausende starben bei einer Deportation aus Rumänien nach Transnistrien. Nach Schätzungen fielen im nationalsozialistisch besetzten Europa 500.000 Sinti und Roma dem Holocaust zum Opfer – einem Verbrechen, das sich jedem historischen Vergleich entzieht und bis heute in seinem Ausmaß unvorstellbar bleibt.

Doch während nach dem Kriegsende offen antisemitische Bilder und Sprüche in der Öffentlichkeit vermieden wurden, gab es in Bezug auf die Roma kein Umdenken. Kaum einer der SS-Ärzte, die in Konzentrationslagern medizinische Versuche an Sinti- und Roma-Häftlingen durchgeführt hatten, wurde nach dem Krieg zur Verantwortung gezogen. Die Kontinuität der Verfolgung trat am deutlichsten in der Entschädigungspolitik zu Tage. Wenn Roma oder Sinti einen Antrag auf Wiedergutmachung stellten, trafen sie häufig auf Beamte, die an Verfolgungsmaßnahmen und Deportationen beteiligt gewesen waren. Einige Lebensberichte von Betroffenen dokumentieren sogar, dass manche Beamte, Ärzte und Richter die Gelegenheit nutzten, um die Opfer erneut zu verhöhnen. Hinzu kommt, dass die Vernichtung die Familienverbände zerstört und das soziale Netz auseinander gerissen hatte. Zudem war es nicht mehr möglich, mit traditionellen Berufen wie Messerschleifen, Kesselflicken oder Pferdehandel einen Lebensunterhalt zu sichern.

Nur langsam haben die Verfolgten ihr Schweigen gebrochen. Erst als Roma und Sinti ab den 1980er Jahren begannen, sich vermehrt in Interessensverbänden zu organisierten, gelang es den Betroffenen nach und nach, ihre Rechte einzufordern. In Österreich verzeichnete der 1991 – mit dem im KZ-Lackenbach geborenen Rudolf Sarközi als Obmann – gegründete Kulturverein österreichischer Roma 1993 einen entscheidenden Erfolg, als der österreichische Staat die Roma und Sinti als eigene Volksgruppe mit allen Rechten anerkannte.

In den so genannten Ostblockländern hat die Integrationspolitik, die zudem häufig mit Zwangsmaßnahmen einherging, zwar einigen zum sozialen Aufstieg verholfen, scheint jedoch angesichts der jetzigen Lage in diesen Ländern insgesamt nicht sehr erfolgreich gewesen zu sein. Oft war das Vertrauen der Roma in die Obrigkeit nach den Erfahrungen mit den faschistischen Diktaturen in einigen dieser Länder nur sehr gering. Sogar in Ungarn, wo die Roma traditionell mehr Spielraum hatten als in anderen Ländern, haben heute – ermutigt durch die rechte Politik der Regierung – Diskriminierung und Übergriffe gegen Roma stark zugenommen. Wenn es heute in Städten wie im ostslowakischen Kosicé oder im bulgarischen Plovdiv große Roma-Ghettos gibt, zeugt dies von dieser gescheiterten Assimilationspolitik. Aber auch hier in Salzburg werden die Schlafplätze von rumänischen Notreisenden geräumt und ihre Habseligkeiten einfach weggeworfen. Ist das nicht auch eine Fortsetzung dieser Missachtung?

Wie aber kann eine Integration ohne eine nachhaltige und dauerhafte Verbesserung der Lebensbedingungen erfolgreich sein? Klaus-Michael Bogdal kommt zu folgendem wenig optimistischen Schluss, der sicherlich nicht nur in Bezug auf die Roma in Osteuropa seine Gültigkeit hat: „Solange die soziale Alimentierung von Menschen in prekären Verhältnissen als wirtschaftlich günstiger gilt als die Investition in deren gesicherte Zukunft, werden sich die Verhältnisse in Osteuropa eher noch verschlechtern. Sie werden ihre Chancen dann in Westeuropa suchen, und zwar nach ihren Regeln. Welche Möglichkeiten bieten sich ihnen auch sonst – ohne Zukunft und Vergangenheit?“

Klaus-Michael Bogdal, 2013: Europa erfindet die Zigeuner. Eine Geschichte von Faszination und Verachtung. Erschienen im Suhrkamp Verlag, Berlin.


Roma Widerstand

Die Rolle der Sinti und Roma im Nationalsozialismus ist nicht nur die der passiven Opfer. Sie leisteten auch aktiv Widerstand gegen den Faschismus, doch diese Seite der Geschichte ist weder ausreichend erforscht, noch hat sie Eingang in öffentlichen Diskurse oder Lehrpläne gefunden.

Roma kämpften in den regulären Armeen in der Slowakei, in Ungarn, in Russland und in Jugoslawien gegen den Faschismus. Eine große Zahl sowjetischer Roma kämpfte als Soldaten, Panzerfahrer, Piloten oder Ingenieure in der Roten Armee und wurde zum Teil hoch ausgezeichnet.

Roma unterstützten nicht nur die Partisanen, indem sie ihr Essen mit ihnen teilten, Nachrichten überbrachten und ihnen bei der Orientierung halfen, viele – darunter auch zahlreiche Frauen – schlossen sich ihnen auch an, sprengten Brücken und Straßen und mobilisierten den Widerstand in der Bevölkerung.

1942 wurde Josef Serynek mit seiner Familie in das tschechische „Zigeunerlager“ in Lety u Písku deportiert. 1943 gelang ihm die Flucht aus dem Lager und er organisierte eine eigene Gruppe von Widerstandskämpfern. Josef Serynek – besser bekannt als „der schwarze Partisan“ – wurde zu einem der höchst dekorierten Widerstandskämpfer seines Landes. Er starb 1974.

Einer der berühmtesten slowakischen Partisanen war Anton Facuna, für dessen Ergreifung 100.000 Kronen als Kopfgeld ausgeschrieben waren. Die Tatsache, dass er Rom war, ist aber heute weitgehend unbekannt und wird nicht einmal im Museum des Slowakischen Widerstands erwähnt.

120.000 Roma wurden in den Konzentrationslagern der kroatischen Ustascha-Faschisten ermordet. Trotzdem erkannte das sozialistische Jugoslawien sie nicht als Volksgruppe an, in einigen Teilrepubliken mussten sie sogar in Ghettos am Rande größerer Städte leben.


erschienen in Talktogether Nr. 54/2015