Die Konsequenzen des Konsums PDF Drucken E-Mail

Die Konsequenzen des Konsums

von Sophia Beck-Mannagetta

Lieber Leser, ich hoffe du sitzt gut, - vielleicht in einem bequemen Lehnstuhl oder einer weichen Couch oder wo immer es dir gefällt-, und hast jetzt ein bisschen Zeit um diesen Artikel zu lesen. Vielleicht isst du auch gerade etwas, ein gutes Marmeladebrötchen oder Mannerschnitten, was auch immer dir schmeckt. Ich möchte dich jetzt nämlich fragen, ob du dir schon einmal überlegt hast, was du mit deinem Konsum bewirkst. Mein Papa würde jetzt sagen „Blödsinn, Konsum hat mit Konsequenzen gar nichts zu tun!“ aber ich möchte dir ein paar Sachen erzählen und zum Schluss kannst du ja immer noch selbst entscheiden, wie du darüber denkst.

Mein Physiklehrer hat unlängst gesagt, dass die Werte, für die unsere Ahnen sich gegenseitig die Köpfe eingeschlagen haben, heutzutage immer mehr verloren gehen. Obwohl er das auf ein anderes Thema bezogen gemeint hat, muss ich ihm in dieser Aussage doch zustimmen. Freiheit, Gleichheit (im Sinn von Gleichberechtigung), Brüderlichkeit (im Sinn von Fairness) sind Werte, die leider hauptsächlich in den Menschenrechten existieren, und wie wir ja aus zahlreichen Fernsehberichten wissen, existieren die Menschenrechte in vielen Ländern nur auf Papier. Aber was hat das alles mit Konsum zu tun?

Um das näher zu erklären werde ich ein paar Beispiele aus dem täglichen Leben heranziehen.

Angenommen, lieber Leser, du gehst einkaufen und möchtest dir ein neues Hemd oder eine neue Bluse kaufen, wo gehst du dann hin und was sind deine Kriterien beim Einkaufen?

Bist du eher so ein Typ wie mein Papa, der immer das erstbeste Billigste kauft?

Oder eher ein von Werbung beeinflusster Mensch, der ohne Markenkleidung nicht leben kann?

Oder bist du ein Mensch, der sogar beim Einkauf an die Menschenrechte denkt?

Leider kommt die letztgenannte Gruppe von Menschen heutzutage so gut wie nie vor, die erste jedoch oft. Aber hier muss ich dich wirklich fragen, verehrter Leser, ist es dir wirklich so wichtig etwas so billig wie möglich zu kaufen, dass du vor lauter Geiz sogar die Menschenrechte vergisst? Naja, von Saturn haben wir ja schon oft genug gehört, dass Geiz geil sein soll, aber wenn das so ist, dann muss ich meinem Physiklehrer leider wieder Recht geben, nämlich dass die früher so wichtigen Werte heutzutage einfach verloren gehen. Außerdem gibt es noch einen Aspekt, auf den ich hier noch eingehen möchte. Wenn du, lieber Leser, dir nun das billigste Kleidungsstück kaufst, um Geld zu sparen, was machst du dann mit dem Geld, das du dir gespart hast? Spendest du’s dann an eine Organisation wie Südwind, die sich dann für die Rechte der ArbeiterInnen einsetzen? (Denn das wäre meiner Meinung nach das einzig Richtige, das du mit dem Geld anfangen könntest, außer du bist wirklich so arm, dass du’s dir nicht leisten kannst für deine Sachen anständig zu bezahlen, d.h. so, dass sie auch wenigstens den Kriterien der Menschenrechte entsprechen). Oder bist du eher der Typ von Mensch, der sich anstatt 7 faire T-shirts lieber 20 unfaire kauft? Wenn ja, dann hör mir mal gut zu (bzw. lies weiter): Warum in aller Welt brauchst du 20 T-shirts? Du kannst sie ja sowieso nicht alle gleichzeitig anziehen! Außerdem gibt es noch einige weitere Argumente dagegen sich den Kleiderschrank mit 20 T-shirts, die man eh nicht trägt, vollzustopfen. Ist es denn wirklich unbedingt notwendig, jeden Tag sein T-Shirt zu wechseln und dadurch seinen Verbrauch an Waschpulver zu maximieren? Oder reicht es auch nur jeden zweiten, dritten oder vierten Tag das T-Shirt zu wechseln? Wäre es für dich nicht nur ökologischer, sondern auch ökonomischer dir nur 7 oder 8 T-Shirts zu kaufen, die dir gut gefallen und die du auch wirklich alle oft trägst (und nicht nur in deinen Kästen verstauben lässt)? Dann könntest du dir auch leichter faire Kleidung leisten. Was hältst du von diesem Vorschlag?

Ich beobachte oft, dass Menschen mehr und mehr und immer mehr wollen, und obwohl sie schon so viel haben, wollen sie noch mehr, dass sie sogar schon vergessen, was sie alles haben. Vor lauter Gier noch mehr zu bekommen, vergessen sie auch die Menschenrechte und alles, was auf unserem Planeten für uns Menschen und für unsere Umwelt wichtig ist. Sie denken nur noch an eines: Konsum. Und doch, lieber Leser, wir gehören auch zu diesen Menschen. Auch wir verlieren vor lauter billig - billiger - am billigsten alles andere aus den Augen. Schlimm finde ich es besonders, da sogar die Menschenrechte mehr und mehr unter unserer Besitzgier verschwinden. Findest du das nicht auch sehr erschreckend?

Für den Fall aber, dass du zu den zweitgenannten Typen, den Markenbewussten, zählst, dann frage ich dich: Ist die Bezeichnung „Fair Trade“ nicht besser als jede andere Marke? Ist es dir wirklich wichtiger für irgendeinen x-beliebigen Markennamen wie z.B. Puma oder Tommy Hilfiger so viel mehr zu bezahlen? Hier erwähne ich das Geld, denn dir soll bewusst sein, verehrter Leser, dass Markenkleidung (besonders von den genannten Marken) oft um einiges teurer als sogenannte „saubere Kleidung“ (=Kleidung, bei deren Produktion die Menschenrechte eingehalten wurden) ist. Und ganz ehrlich gesagt, mich erschüttert es zutiefst, dass irgendeinem Menschen auf dieser Welt die Buchstabenkombination „Puma“ oder „Tommy Hilfiger“ mehr bedeutet als die Frage, ob hinter dem Kleidungsstück auch ein fairer Produktionsgang steckt. Sind die Fernsehberichte etwa noch nicht schrecklich und schockierend genug, dass die Leute immer noch Markenkleidung kaufen? Oder warum siegt die Werbung im Kampf gegen die grundlegendsten Rechte eines jeden Menschen?

Noch einen Punkt gibt es, den von dem ich wissen möchte, ob du auch ab und zu daran denkst: Transport. Für den Fall, dass du den Film „We feed the world“ gesehen hast, wirst du sicher wissen wovon ich rede, wenn nicht, dann sag (bzw. schreib) ich dir das schnell. Schaust du manchmal drauf, woher das Produkt kommt, das du kaufst?

Seit ich den eben erwähnten Film gesehen habe, mach ich das schon, denn durch die Globalisierung entdeckt man da oft sehr verwunderliche Sachen. Um nur ein harmloses Beispiel zu erwähnen, zähl ich mal die Butter in unserem Spar aus Irland auf. Warum in aller Welt wird Butter von Irland nach Österreich transportiert? Ich mein, wir schwimmen hier doch fast in Butter, was macht die irische Butter hier? Das ist doch genauso sinnlos wie Eulen nach Athen oder Wasser zur Quelle zu tragen! Wo dieses Spiel aber weniger lustig wird, ist der Knoblauch aus Argentinien, den man beim Interspar im Europark bekommt. Ist es denn in ganz Europa nicht möglich biologischen Knoblauch anzubauen, sodass man ihn aus Argentinien importieren muss? Hier müssen nämlich Flugzeuge unnötig fliegen und die Luftverschmutzung bekommen wir bei unserem heurigen Winter durch die Erderwärmung eh schon zu spüren! Aber wirklich aberwitzig bzw. eigentlich gar nicht mehr lustig werden die Granittransporte aus China. Granit ist schließlich kein Knoblauch, der ist ja viel schwerer! Und trotzdem, mein Freund, überleg dir mal, warum gibt es hier chinesischen Granit zu kaufen? Der Skandal liegt darin, dass er sogar billiger als der heimische ist! Wollen wir nicht eine kurze Schweigetrauerminute einlegen, lieber Leser, und dabei an die armen chinesischen Arbeiter denken, die beim Abbau dieses Granits durch fehlende Sicherheitsmaßnahmen schon ums Leben gekommen sind? Wahrscheinlich sind schon unzählige dabei gestorben, da die Toten ja sicherlich niemand gezählt hat.

So, lieber Leser, nach unserer kurzen Schweigetrauerminute frage ich dich, sind es nicht du und ich, die diesen Werteverlust verursachen? Sind es nicht wir, die den Auftrag geben, die Menschenrechte zu missachten? Sicher wirst du mich jetzt für verrückt halten, wie mein Papa, aber überleg doch mal: Wir haben Kinderarbeit und Ausbeutung hier in Österreich verboten, aber wenn es billige Produkte aus China gibt, die nur deshalb so billig sind, weil die Arbeiter ausgebeutet werden und Kinder dafür arbeiten müssen, dann kaufen wir sie. Doch wer kauft, stimmt zu! Denn nur durch die Kunden können Unternehmen überleben. „Der Kunde ist nicht König, sondern Kaiser“, hat einmal ein japanischer Unternehmer gesagt, „denn sie bestimmen das Überleben.“ Liegt also die Macht nicht doch in den Händen der Kunden, der Käufer und Konsumenten?

Genau genommen sind wir es ja, die alles finanzieren, den Transport der Waren in unser Land, die Kinderarbeit und Ausbeutung, alles. Schließlich bezahlen wir ja das Endprodukt. Jetzt lass uns aber noch ein bisschen weiter denken, denn wenn wir es sind, die bestimmen, was geschieht, dann könnten wir doch auch eine Änderung herbeiführen, oder? Rein theoretisch können wir das, der einzige Schritt der uns noch fehlt, ist das Umsetzen der Theorie in die Praxis. Stell dich doch mal mit diesem Artikel hier, lieber Leser, in ein Geschäft und betrachte die Auswahl, die du hast! Schau dir die Produkte an, die vor dir liegen und denk an das, was ich dir hier geschrieben habe, an die Menschenrechte und an Umweltschutz! Denk daran, dass DU die Macht hast die Welt zu verändern und lass uns durch kritischen Konsum unsere Erde (wenigstens ein klein wenig) verbessern!



 

erschienen in: Talktogether Nr. 20/2007