Der Tod von Seibane Wague PDF Drucken E-Mail

 Warum musstest du sterben,

Seibane?

von grace marta latigo 

als ich hörte dass in stadtpark ein afrikadorf entstehen wird, war mein erster gedanke: oh jee!

ich könnte mir nicht vorstellen dass die ertstler oder die dritt-bezirkler ein projekt wie dieses dulden würden. ihr strassl wir durch „neger gebrüll“ entehrt. ich lebe seit 20 jahren in diesen land und mir ist klar, dass vielfalt, flexibilität. freundschaft, lust am leben nicht unbedingt der lebensleitsatz  der österreichischen mehrheit ist. es ist viel mehr hass und frustration;  mit ihnen leben viele in harmonischen einklang. bitte nicht missverstehen! ich habe wunderbare wichtige und sehr weise österreiche­rinnen kennen gelernt! dieses land mag aus ihrer prähistorischheit nicht aufwachen. als ich hörte dass seibane tot ist und es passierte wieder durch polizeigewahr­sam ist mir richtig schlecht geworden. ich spürte mich plötzlich nicht mehr. das kenne ich seit meiner 7-jährigen illegalisierung, es ist wie ein burnout, sie können im winter bei minus 10c° ohne jacke gehen und  spüren es einfach nicht. ein merkwürdiger zustand. Danach, es dauerte diesmal nur kurze zeit. danach habe ich nur geweint und dann überkam mich eine wut.

warum? wieso! schon wieder! sie hören nicht auf zum töten ... hilfe! ohnmacht! ich kann auf jeden fall den zustand jeder einzelnen person aus der african community nachvollziehen. die angst gedanken zischen dir durch den kopf. was wird? wer ist die/der nächste/r? unsere kinder? wer schützt sie? kann ich hier noch leben? und die alten traumas werden wieder präsent. dieser stress, diese angst machen krank. es bedarf an viel selbstkontrolle um nicht in einen psycho zustand reinzukippen. sehr oft habe ich das gefühl von diesem system systematisch liquidiert zu werden.

meine persönliche horror hypothese ...

seit wochen gabe es massive beschwerden seitens der anrainer. sie bombardierten die polizei mit anzeigen, anrufe beschwerden, persönliche auftritten. es störte sie alles. die kinder, die musik einfach alles. doch die polizei war machtlos und genervt. die organisatoren des dorfes hielten sich nach den gesetzlichen vorlagen.

erste warnung! brandanschlag.

die dorfcommunity ließ sich nicht einschüchtern. die beschwerden sprengten das faß. der polizei waren die hände gebunden. endlich der erlösende anruf! tobender afrikaner will den österreichischen veranstalter umbringen. alarmstufe rot!  polizei einsatz fahrzeuge fuhren richtung tatort. endlich können sie zeigen wer der herr im land ist ... plötzlich waren die pensionsänderungen past tense... sie hatten einen realen feind dem sie es zeigen könnten. mit diesen gedanken fuhren sie zum ort des geschehens. endlich waren sie wichtig und sie hatten die macht und erlaubnis zum handeln. sie mögen afrikaner so uns so nicht. der wird bei uns niemanden haamtraan. dem zeigen’s wir ... mit dem machen wir ordnung ...

sie werden es den unzufriedenen österreichischen mitbürgerinnen beweisen ... sie wollen auch nur das beste für ihre stadt... während der autofahrt erzählen sie sich stolz über diverse eingriffe an „negern“.

die sanitäter

es war den ganzen nachmittag sehr schwül und heiß. der 9. einsatz. normalerweise kein problem, aber an diesen tag ein blanker wahnsinn. am abend dann ein bisschen aufatmen. zwei ein halb stunden ruhe. und plötzlich „der anruf!“ ein tobender afrikaner mit psychischen problemen! das gibt es doch nicht! was zum teufel ... abruptes handeln. wut! ärger! heute gab es ausschließlich sonnen geschädigte patienten! in auto wurde über die gefährlichkeit der afrikanischen drogendealer, ihrer gewaltbereitschaft und über alles böse was das schwarze so mit sich bringt diskutiert...

den rest sah ich in video...

es war ein kollektiver totschlag!!!

die meisten reaktionen seitens der medien  tendierten zum vorvorurteilen. sie koket­tierten mit den innenministerium. erst nach dem erscheinen des videos kratzen sie schnell die kurve. ich finde sie ungerecht und diskriminierend. sehr arrogant und rassistisch.

das innenministerium verhielt sich unmenschlich und unzivilisiert

herr innenminister wir sind nicht schuld an ihren „schwarzen träumen“seibane ist tot! ich werde seinen tod genauso nicht verdauen wie den tod von marcus omfuma, richard, esperanza, imre, johnson, ahmed, ...sie morden weiter

sie dürfen es
sie haben die macht
die macht ist hinter ihnen
eine mörderische macht
sie schlagen, vergewaltigen, demütigen
sie dürfen es
sie haben die macht
die macht ist hinter ihnen
fight the power
fihgt the power indeed
mein bösestes ich soll eure träume begleiten
meine wut soll euch den atem rauben
meine tränen sollen bei euch zum eiter werden
fight the power
fight the power indeed
LAKOP

erschienen in: Talktogether Nr. 5/2003