Strawa-Connection: Rap mit Hirn aus Strasswalchen PDF Drucken E-Mail

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STRAWA - CONNECTION

"Rap mit Hirn" aus Strasswalchen

Die HipHop-Gruppe Strawa Connection setzt sich zusammen aus den beiden Rappern Timmi und Lukas und DJ Sebastian, drei jungen M√§nnern aus Strasswalchen zwischen 15 und 17 Jahren. Mit ihren Texten wollen sie die Menschen ansprechen und zum Nachdenken anregen. Ein Thema, das dabei immer wieder auftaucht, ist Rassismus. Dass sein Vater aus Afrika stammt, kann der 15-j√§hrige Timmi nicht verbergen. Schreiben und Rap ist f√ľr ihn auch ein Mittel, seine pers√∂nlichen Erlebnisse mit Rassismus zu verarbeiten.
Strawa Connection tritt heuer beim Talktogether-Fest zum Internationalen Fl√ľchtlingstag am Samstag, 3. Juli 2010, in der ARGEkultur auf. Talktogether hat sich mit den jungen Musikern getroffen und sich mit ihnen √ľber ihre Musik und ihr Vorhaben unterhalten.


Talktogether: Was bedeutet der Name Strawa Connection?

Timmi: Wir nennen uns Strawa Connection, weil wir uns in Strasswalchen treffen und Strawa die Abk√ľrzung f√ľr Strasswalchen ist.

Talktogether: Wo habt ihr euch kennengelernt?

Timmi: Kennengelernt haben wir uns im Schulzentrum. Sebastian und ich arbeiten aber jetzt und Lukas geht noch in die Schule. Wir können uns nur in der Freizeit treffen und es wird immer schwieriger, zeitmäßig.

Talktogether: Wie seid ihr auf die Idee gekommen, eine Rap-Gruppe zu gr√ľnden?

Timmi: Lukas und ich haben unabhängig voneinander schon mit 11-12 Jahren begonnen, Texte zu schreiben. Mit 14-15 haben wir uns kennen gelernt, durch das gemeinsame Interesse am Schreiben und der Musik sind wir zusammen gekommen.

Wir haben uns dann zu siebt oder acht im Keller getroffen und drauf los geschrieben. Am Anfang waren sie viel mehr Leute, jetzt sind nur mehr wir drei, also zwei Rapper und ein DJ √ľbrig geblieben. Dann haben wir die Internet-Seite eingerichtet und viele Aufrufe bekommen. Wir bekamen auch viel Unterst√ľtzung von bekannteren Gruppen, deshalb haben wir f√ľr unser Alter schon relativ viele Auftritte gehabt, und es wird immer besser.

Talktogether: Was wollt ihr mit euren Texten ausdr√ľcken?

Timmi: Wir wollen mit unseren Texten etwas ver√§ndern. Es ist gut, das man bei Live-Auftritten die M√∂glichkeit hat, den Leuten etwas zu vermitteln. Es gibt so viele Missst√§nde, so viele Dinge, die in der Gesellschaft falsch laufen, die Gesellschaft ist strange, komisch, und darum geht es in den Texten, dass die Leute wieder zu sich kommen sollen. Die ganze Welt ist auf der schiefen Bahn, es gibt √ľberall etwas zu ver√§ndern, politisch. Aber es ist nicht leicht, Zuh√∂rer zu finden, und noch schwieriger, dass die Botschaft bei den Leuten auch wirklich ankommt.

Talktogether: Warum?

Timmi: Die HipHop Szene in √Ėsterreich wird immer kleiner. HipHop ist f√ľr viele nur etwas, was man in der Jugend h√∂rt, und wenige bleiben auch dabei, wenn sie √§lter werden. Hip Hop ist auch heute nicht mehr so popul√§r wie noch vor zehn Jahren. Platten werden sowieso nicht verkauft, vermittelt wird die Musik nur durch Live-Auftritte und √ľber das Internet. Man macht es aus √úberzeugung, um etwas auszusagen, um seine Meinung zu vertreten.

Talktogether: Gegen welche Missstände protestiert ihr mit eurer Musik?

Lukas: So etwas wie die FP√Ė, die rassistische Propaganda, die die machen, das sollte verboten sein. Vor allem in Strasswalchen ist es besonders schlimm. Es gibt so viele Rassisten. Ich finde es einfach nur dumm, wenn man so denkt. Wir haben viele Freunde, die ausl√§ndischer Herkunft sind, aus Indien, Polen und Jugoslawien. Aber wir werden oft auch nur deshalb angegriffen, auch weil unser Klamottenstil nicht dem Massentrend entspricht. Die gro√üe Menge der Leute auf dem Land, ist konservativ. Jemand, der anders aussieht oder aus der Reihe tanzt, wird nicht akzeptiert.

Aber daran ist auch die Politik schuld: Das Thema Ausl√§nder wird v√∂llig falsch angegangen, es wird nur davon geredet, dass Ausl√§nder kriminell sind, und ihnen f√§llt dazu nur ein, h√§rtere Strafen einzuf√ľhren. Es wird aber nicht versucht, die Ursachen von Kriminalit√§t zu bek√§mpfen.

Talktogether: Warst du oft w√ľtend? Welche pers√∂nlichen Erlebnisse hast du gehabt, Timmi?

Timmi: Wo ich wohne, gibt es eine Staubeckenanlage, wo viele Betonw√§nde sind, dort wird viel Graffiti gespr√ľht, was ein Teil der HipHop-Kultur ist. Eines Tages gehe ich dort vorbei und dort steht, ‚ÄěTimmi, du Schei√ü-Neger‚Äú, ‚ÄěNeger raus‚Äú, und solche Spr√ľche. Da fragt man sich, warum sind die Menschen so. Solche Dinge sind extrem oft vorgekommen. Beim Fortgehen h√∂ren wir es immer: Du Schei√ü Jugo, oder, du Schei√ü Neger. Die meisten Leute haben rassistische Z√ľge. Manche sind zuerst freundlich, aber sobald es zum Streit kommt, hei√üt es: Schei√ü-Neger. Da merkt man dann, wie sie wirklich denken. So eine Denkweise steckt in √Ėsterreich in vielen Leuten drin, aber am Land ist sie viel st√§rker verbreitet als in der Stadt. In der Stadt haben sich die Leute mehr daran gew√∂hnt, Menschen zu sehen, die anders aussehen, auf dem Land ist es eher selten.

Lukas: Aber auch in der Stadt kommen wir fast in keine Lokale hinein, z.B. am Rudolfskai, wenn wir so angezogen sind, wie wir es jetzt sind. Und da geht es nicht darum, ob man ordentlich und sauber angezogen ist, sondern darum, was unser Klamottenstil aussagt. Unser Bekleidungsstil entspricht einem Life-Style, man sieht, dass es HipHop-Kultur ist, womit man als links eingestuft wird, also als gegen das System gerichtet. Man wird nach dem Aussehen beurteilt und nicht toleriert.

Talktogether: Wie gehst du damit um, wenn dich persönlich jemand beleidigt, Timmi?

Timmi: Ich gehe immer lockerer damit um. Als ich j√ľnger war, bin ich extrem cholerisch ausgezuckt und habe viel geschl√§gert. Weil ich nicht wusste, wie ich damit umgehen sollte, habe ich einfach zugeschlagen. Mittlerweile denke ich mir, dass die Leute, die so etwa sagen, einfach viel zu dumm sind, um sich mit ihnen einzulassen. Ich ignoriere sie immer mehr. Ich denke mir, wenn ich auch noch aggressiv werde, sind ihre Klischees auch wieder best√§tigt. Da schei√ü ich einfach drauf.

Talktogether: Ist Rassismus ein speziell österreichisches Phänomen oder ein weltweites?

Timmi: Ich wei√ü, dass es Rassismus √ľberall auf der Welt gibt. Mir ist aber schon aufgefallen, dass es in √Ėsterreich nicht als normal angesehen wird, schwarz zu sein, man wird extrem viel angestarrt. In Deutschland, London oder Schweden ist es allt√§glicher, ausl√§ndisch auszusehen als hier. Vor allem auf dem Land gibt es viele Vorurteile.

Welche Themen behandelt ihr in euren Texten noch?

Timmi: Themen, von denen Jugendliche betroffen sind. Was man jeden Tag erlebt, was man schlecht findet, was man gut findet, wird mit den Texten verarbeitet, wie andere ein Tagebuch schreiben. √úber sich selbst, die Gedanken, die man sich macht. Andere Texte wiederum sind auf die Rapszene bezogen.

Talktogether: Welche Pläne habt ihr?

Timmi: Ich mache eine Lehre als Landschaftsg√§rtner, Lukas geht ins Abendgymnasium. Nat√ľrlich tr√§umt man davon, von der Musik zu leben und professioneller Musiker zu sein. Aber als Rapper kann man sich nur mit Life-Auftritten etwas verdienen, CDs werden nicht produziert, das ist ja nur mit Kosten verbunden. Die Musik wird im Internet verbreitet, damit der Name bekannt wird und die Leute zu den Life-Auftritten kommen.

Talktogether: Wo tretet ihr auf?

Timmi: Es gibt HipHop-Jams in √Ėsterreich und Europa, wir hatten schon Auftritte in Salzburg, Linz und Wien. Das sind spezielle HipHop-Jams, wo sich die bestehende kleine Szene trifft. Mit einem beschr√§nkten Publikum zwar, aber die Szene wird am Leben erhalten. Das bedeutet f√ľr uns auch ein kleines Nebeneinkommen. Meistens treffen wir uns in der Postkutsche in Mattsee. Weil HipHop nicht so kommerziell ist wie Techno, ist es viel schwieriger, gro√üe Veranstaltungss√§le voll zu kriegen.

Talktogether: Wie versteht ihr euch untereinander?

Timmi: Wir sind auch privat sehr gute Freunde, eigentlich beste Freunde. Wir sind auf einer Welle, die Musik schweißt uns zusammen und wir verbringen unsere Freizeit zusammen.

Talktogether: Lukas, wie siehst du das Zusammenleben der Menschen verschiedener Herkunft in √Ėsterreich? Sollten sich EinwanderInnen anpassen?

Lukas: Es ist schade, dass die Gesellschaft so gespalten ist. Die Leute gehen sich aber aus dem Weg, sie schlie√üen sich zu eigenen Gruppen zusammen. Ich finde nicht, dass ein Ausl√§nder von einem Tag auf den anderen ein √Ėsterreicher werden sollte. Man kann auch nicht davon ausgehen, dass das Land immer gleich bleibt. Es ist nat√ľrlich schon wichtig, den √∂sterreichischen Staat kennenzulernen und zu verstehen, Sprachkurse zu belegen, aber es ist deshalb doch nicht notwendig, seine Kultur abzulegen und die √∂sterreichische Kultur anzunehmen.

Timmi: Ich denke, die Europ√§er bzw. die Wei√üen sind ein bisschen gr√∂√üenwahnsinnig, sie sind nach Afrika und in die ganze Welt gegangen und haben dort zu den Leuten gesagt: Wir sind die Chiefs und ihr m√ľsst tun, was wir wollen. Ich f√§nde es sch√∂n, wenn Menschen verschiedener Herkunft zusammenleben und jeder seine eigene Kultur einbringt.


http://www.myspace.com/strawaconnection

erschienen in: Talktogether Nr. 32/2010