Film: Ken Loachs "Bread and Roses" PDF Drucken E-Mail

Bread and Roses

FĂĽr die Rechte der ReinigungsarbeiterInnen

„Wir wollen Brot, aber auch Rosen. Wir fordern nicht nur faire Löhne und Arbeitsbedingungen, sondern wir wollen auch Anteil haben an allen schönen Dingen, die das Leben zu bieten hat. Das alles werden wir aber erst bekommen, wenn wir aufhören zu betteln und für unsere Rechte kämpfen“

spricht der Gewerkschaftsführer Sam Shapiro vor der Versammlung der ReinigungsarbeiterInnen in Los Angeles im Film „Bread and Roses“ des britischen Regisseurs Ken Loach. Er erzählt die Geschichte der Menschen am untersten Rand der Gesellschaft – der proletarischen EinwanderInnen aus Mexiko und Mittelamerika, die abends die Bürogebäude von Los Angeles reinigen. Authenzität bezieht „Bread and Roses“ auch durch seine DarstellerInnen. Wie in vielen anderen seiner Filmprojekte arbeitet Loach hier mit LaienschauspielerInnen, in diesem Fall echte „Putzleuten“ und Mitgliedern der Gewerkschaft SEIU, die sozusagen ihre Demos und Blockaden für den Film nachgespielt haben. Politischer Hintergrund des Films ist eine Mitte der 1990er Jahre in den USA heftig geführte Debatte um die Organisierung von MigrantInnen in den Gewerkschaften. War vorher die Ausgrenzung und Kriminalisierung dieser Menschen offizielle Politik im Gewerkschaftsbund AFL-CIO, führten die gute Organisation und die Erfolge der SEIU zu einem Umdenken.

Der Film handelt vom Kampf der ReinigungsarbeiterInnen für eine Gewerkschaft, bessere Löhne und Arbeitsbedingungen und Sozialleistungen. Es ist die Geschichte der jungen Mexikanerin Maya, von der Veränderung in ihrem Leben und wie sie das Leben der Leute um sich verändert. Der Film beginnt, als eine Gruppe von Flüchtlingen aus El Salvador in abenteuerlicher Fahrt über die mexikanische Grenze in die USA gebracht wird. Ein Schlepper will die junge Flüchtlingsfrau Maya in ein Hotelzimmer locken und dort vergewaltigen, doch Maya wehrt sich. Nach längerer Suche findet sie eine Arbeit als Putzfrau in einem der Büropaläste von Los Angeles. Doch bald wird ihr und vielen ihrer KollegInnen klar, dass sie gnadenlos ausgebeutet werden. Sie haben als Illegale keine Rechte, werden gegeneinander ausgespielt, schlecht bezahlt und können jederzeit gefeuert werden. Neben der kapitalistischen Ausbeutung sind sie zusätzlich noch einer rassistischen Unterdrückung unterworfen.

Als Maya den Gewerkschaftsführer Sam Shapiro trifft, ändert sich ihr Leben. Maya engagiert sich mit ihm im Kampf, eine Gewerkschaft zu organisieren und die Arbeitsbedingungen der Reinigungskräfte zu verbessern. Ein Treffen wird organisiert. Währen Maya und eine Handvoll andere zum Kampf entschlossen sind, haben viele davor Angst, gekündigt und abgeschoben zu werden. Manche wiederum können Erfahrungen, die sie in den Kämpfen in ihren Heimatländern gemacht haben, einbringen. Andere wie Mayas ältere Schwester Rosa stehen dem Kampf aber feindselig gegenüber.

Im Lauf all dieser Schwierigkeiten entwickelt sich Maya zu einer starken, unerschrockenen Kämpferin. Maya ist furchtlos und hat keine Angst vor den Behörden. Sie hat proletarisches Bewusstsein und keinen Respekt vor dem bürgerlichen Lebensstil. Im Verlauf der Organisation der Kampagne ist zu erkennen, wie sehr sich die Menschen in einer sozialen Bewegung verändern: Das Wachsen ihres Mutes, ihres Bewusstseins, ihrer Solidarität und des Vertrauens, dass sie sich im Kampf für eine gemeinsame Sache aufeinander verlassen können.

Eine Aktion wird beplant, Im Gebäude befindet sich das Büro von Anwälten von Hollywood-Stars, die auch Miteigentümer des Hochhauses sind. Als ein Empfang gegeben wird, verschaffen sich die ArbeiterInnen Zugang und tauchen mit Staubsaugern und Besen bei der Party auf, um auf ihre Anliegen aufmerksam zu machen. Sei haben damit auch Erfolg, ihre Anliegen in die Medienöffentlichkeit zu bringen. Doch danach entlässt die Firma einige der ArbeiterInnen, die den AktivistInnen Zutritt zum Gebäude verschafft hatten. Es stellt sich schließlich heraus, dass es Mayas Schwester war, die die GewerschaftsaktivistInnen an die Bosse verraten und damit ihre Entlassung verursacht hat. Doch im Streit zwischen den beiden Schwestern offenbart sich die wahre Tragödie der Flüchtlingsfrau Rosa, die sich, ihren kranken Mann und ihre Kinder nur mit Prostitution über Wasser halten kann und selbst den Putzjob für Maya damit erkauft hat. Diese Szene zeigt deutlich den Druck, der auf den Menschen lastet, die am untersten Ende dieser Gesellschaft um ihr Überleben kämpfen. Das System zwingt die Menschen in einen verzweifelten Individualismus.

Der Film, der anschaulich zeigt, wie die ArbeiterInnen in den Kampf treten und Bewusstsein erlangen, hat nicht nur für die USA sondern auch für Europa höchste Aktualität. Aber die Bewegung und das Bewusstsein gehen nie über ein gewerkschaftliches Ziel hinaus. Sam Shapiro sagt in einer Rede, die Gewerkschaft müsse so mächtig werden wie die Firmen. Doch kann der gewerkschaftliche Kampf allein wirklich eine Antwort auf all die Ausbeutung und Unterdrückung finden? Als Maya in einem Bus weggebracht wird, weil sie Geld gestohlen hatte, um einem Freund das dringend benötigte Geld für das College zu geben, stellt sich die Frage, wie die Gewerkschaft all die Ungerechtigkeiten, mit denen die Charaktere im Film konfrontiert sind, auflösen könnte: die sexuelle Erniedrigung der Frauen, die Armut und Hoffnungslosigkeit in Mexiko und Mittelamerika, die Brutalität der Polizei, die Abschiebung von ImmigrantInnen, die mangelnde Gesundheitsversorgung, die ganze Klassenstruktur der Gesellschaft? Wenn die Menschen so viel Opfer für einen Kampf um bessere Arbeitsbedingungen aufbringen können, was könnten sie dann nicht leisten, wenn es darum geht, Ausbeutung und Unterdrückung für immer zu beseitigen?


Justice for Janitors

 Obwohl viele der ReinigungsarbeiterInnen – zumeist ImmigrantInnen aus Mexiko und Mittelamerika – Löhne bekamen, die weit unter der Armutsgrenze lagen, weigerten sich die Reinigungsfirmen faire Löhne zu bezahlen. Die Kampagne für höhere Löhne, bessere Arbeitsbedingungen und eine Krankenversicherung begann 1987 und gipfelte in einem dreiwöchigen entschlossenen Streik im Jahr 2000. Die Bewegung wurde von zahlreichen Angehörigen der Mittelklasse, unter ihnen auch einige Hollywood-Filmstars, unterstützt. Durch ihre Entschlossenheit erreichten die ArbeiterInnen die höchste Lohnerhöhung in der Geschichte von Los Angeles County und wurden zum Vorbild für die amerikanische Arbeiterklasse.

Die Parole „Brot und Rosen“ stammt aus einem Lied mit dem Text von James Oppenheim der dazu von einem Slogan beim Streik der TextilarbeiterInnen von Lawrence, Massachusetts 1912 inspiriert wurde. Damals kämpften die ArbeiterInnen der damals größten Textilfabrik der Welt – zumeist EinwanderInnen aus osteuropäischen Ländern – erfolgreich für höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen.

erschienen in: Talktogether Nr. 4/2003