Zum Ersten Mai 2008 PDF Drucken E-Mail

Wir feiern unseren Feiertag -

wir feiern den Ersten Mai

„Alles ist bestens in dieser besten aller möglichen Welten“ lautet die Botschaft der Weltbank und des Internationalen WĂ€hrungsfonds in anbetracht der Weltwirtschaftslage. Gleichzeitig wird uns erzĂ€hlt, dass die Arbeiterklasse besonders in den entwickelten LĂ€ndern absterbe und der Klassenkampf eine Sache der Vergangenheit sei. Wir seien alle BĂŒrger, die die Vorteile einer expandierenden Demokratie genießen könnten.

Aber wie sieht die Wirklichkeit aus? TatsĂ€chlich verschĂ€rfen sich die WidersprĂŒche des Systems anstatt abzunehmen. Viele der Errungenschaften der Arbeiterklasse, die unter so vielen Opfern erkĂ€mpft wurden, werden heute immer mehr aufgeweicht.

Auch in Österreich steigen Profite und ArbeitsproduktivitĂ€t, doch trotz immer höherer Gewinne bauen die Unternehmen ArbeitsplĂ€tze ab und verlagern die Produktion in LĂ€nder mit niedrigeren Lohnkosten. Auf schamlose Weise nĂŒtzen sie die elenden Lebensbedingungen aus, unter denen große Teile der Menschheit leben mĂŒssen. Die Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes treibt die LohnabhĂ€ngigen in gegenseitige Konkurrenz und erpresst sie, dieselbe Arbeit zu bewerkstelligen, die vorher von mehr als einer Arbeitskraft verrichtet wurde. Bei Umfragen geben die meisten LohnabhĂ€ngigen an, zunehmend unter den negativen Auswirkungen von Stress, erhöhter Arbeitsbelastung, Leistungs- und Konkurrenzdruck zu leiden. Die Wirtschaft versucht aber nicht nur, die Menschen in ihrer Arbeitszeit zu versklaven, sondern auch, sie ihn ihrer Freizeit zu Konsumsklaven zu machen.

Haymarket, Chicago 1886

Vor 122 wurde ein Flugblatt von Hand zu Hand gereicht, dass die gesamte nordamerikanische Arbeiterschaft zu einem Streiktag aufrief, um die EinfĂŒhrung des 8-Stunden-Arbeitstages durchzusetzen:

„Der 1. Mai soll ein Tag werden, an dem sich die ungeheure Kraft der Armee von WerktĂ€tigen vereint gegen die MĂ€chte, die das Schicksal aller Völker und Nationen beherrschen. Ein Tag des Protests gegen UnterdrĂŒckung und Tyrannei, gegen Unwissenheit und Krieg. Der erste Tag, an dem die Arbeiter beginnen werden, die Regelung: acht Stunden Arbeit, acht Stunden Schlaf und acht Stunden Freizeit zu genießen.“

Am 1. Mai 1886 kam dann auch kein Rauch aus den Schornsteinen der Fabriken, die Schlachthöfe waren geschlossen, die Eisenbahnen standen still und die HĂ€fen waren blockiert. Hunderttausende Arbeiter und ihre Familien marschierten in den Straßen Chicagos, Detroits, New Yorks und zahlreicher anderer amerikanischer StĂ€dte, um fĂŒr ihre Menschenrechte, fĂŒr wirtschaftliche Sicherheit und mehr LebensqualitĂ€t einzutreten. Der Aufstand wurde am Haymarket in Chicago blutig niedergeschlagen. Die ArbeiterfĂŒhrer August Spies, Albert Parsons, George Engel und Adolf Fischer bezahlten fĂŒr ihren Einsatz mit dem Leben und wurden am11. November 1886 hingerichtet.

1889 trafen die Delegierten der Sozialdemokratischen Arbeiterparteien in Paris zusammen und erklĂ€rten den 1. Mai zum internationalen Kampftag der Arbeiterklasse. In ganz Europa gingen am 1. Mai 1890 zehntausende Arbeiter und Arbeiterinnen auf die Straße und schrieen nach Frieden, Freiheit und Brot. Seither begehen WerktĂ€tige auf der ganzen Welt diesen Tag ihren Feiertag und erinnern mit AufmĂ€rschen, Paraden und Demonstrationen an die Ereignisse in Chicago.

Proletarier aller LĂ€nder vereinigt Euch!

Keine Statistik berichtet ĂŒber das Ausmaß des menschlichen Elends jener, die heutzutage regelrechte Sklavenarbeit verrichten mĂŒssen, oder ĂŒber jene, die keine legale Aufenthalts- bzw. Arbeitsgenehmigungen haben und keine Arbeiterrechte kennen. Das ist die Situation der ArbeiterInnen, die zum großen Teil die billigen Waren fĂŒr die reichen LĂ€nder produzieren und es damit ermöglichen, die Lohnraten auf ein Minimum einzufrieren oder zu reduzieren. Dies erlaubt es, den Lebensstandard in der ganzen Welt zu drĂŒcken.

Im Gegensatz zu den VerkĂŒndungen der Weltbank bringen die gesteigerten Profite fĂŒr die Mehrheit der Menschheit keinen Fortschritt, sondern Elend fĂŒr diejenigen, die diesen gigantischen Reichtum mit ihrer Kraft, ihrem Schweiß und ihrem Blut erschaffen. Die Verschwendung und der schonungslose Umgang mit den Ressourcen haben zudem die Umwelt schon so nachhaltig gestört, dass es dringend neue Konzepte benötigt, wollen wir den nachfolgenden Generationen kein TrĂŒmmerfeld hinterlassen.

Eine Welt zu gewinnen!

Könnte unser Leben nicht ganz anders aussehen? Heute gibt es genĂŒgend Ressourcen, um alle Menschen auf der Erde mit dem zu versorgen, was sie benötigen und ihnen als Menschenrecht zusteht, und jeder und jedem ein menschenwĂŒrdiges Leben ohne lange Arbeitsstunden zu ermöglichen. Wir stehen vor der Wahl: Entweder wachsendes Elend fĂŒr Millionen, Hunger, Krankheiten, Umweltkatastrophen und noch mehr Kriege oder die politische Selbstbehauptung der Arbeiterklasse, die ihre eigene StĂ€rke und ihr eigenes Programm wiederentdeckt.

Es lebe der Erste Mai! Normal 0 21 false false false MicrosoftInternetExplorer4

erschienen in: Talktogether Nr. 24/2008