Integration in Ottensheim PDF Drucken E-Mail

 Ottensheimer unter einem Dach
Wer sagt, Integration sei schwierig, dem fehlt der Wille

Menschen aus Aserbeidschan, Iran, Kurdistan und Makedonien fühlen sich in dieser kleinen Marktgemeinde in der Nähe von Linz offensichtlich zu Hause. In der malerischen Ortschaft an der Donau ticken die Uhren in bisschen anders. Während anderswo Integration oft als ein Problem angesehen wird, scheint es im ca. 4000 EinwohnerInnen zählenden Ottensheim das einfachste und natürlichste der Welt zu sein. Das funktioniert hier vor allem deshalb so gut, weil alle mitmachen. Als vor drei Jahren die ersten Asylwerber nach Ottensheim kamen, war die Integration der Flüchtlinge von Anfang an das erklärte Anliegen der GemeindevertreterInnen, und das über (fast) alle Parteigrenzen hinweg. Als das Innenministerium beschloss, AsylwerberInnen in Österreich zu verteilen, erzählt Vizebürgermeister Franz Wielend, mit dem Talk Together beim Café der Kulturen gesprochen hat, meldete sich Ottensheim. Als die ersten Flüchtlinge ankamen, wurde sogleich der Verein über-brücken gegründet, der sich dem Ziel, die Neuangekommenen in die Gemeinde zu integrieren, verschrieben hat.

Zuerst wurden die AsylwerberInnen in einem Gasthof untergebracht. Als man jedoch sah, dass die Aufnahme der Flüchtlinge dort nur zu dem Zweck diente, ein heruntergekommenes Gasthaus zu sanieren, wurde ein altes Caritas-Heim in Rottenegg, der Nachbargemeinde von Ottensheim, reaktiviert. An die 60 Flüchtlinge aus verschiedenen Ländern leben jetzt dort. In der Gemeinde sind sie willkommen: sie dürfen jede Veranstaltung besuchen ohne Eintritt zu bezahlen, das gleiche gilt für den Sportverein. Wenn jemand eine Wohnung sucht, wird unbürokratisch geholfen. Hier leben die Menschen in Nachbarschaft. Ghettos wie in den großen Städten werde es hier nicht geben, meint der Vizebürgermeister. Aber nicht immer stoßen diese Initiativen auf die Zustimmung der Behörden oder der Caritas. Im Ortszentrum von Ottensheim gibt es jeden Freitag einen kleinen Markt. Als die AsylwerberInnen von der Gemeinde eingeladen wurden, hier Mehlspeisen und andere typische Gerichte aus ihrer Heimat zu verkaufen, um so Kontakt knüpfen und ein bisschen Taschengeld verdienen zu können, wurde das mit fadenscheinigen Argumenten unterbunden.

Kennenlernen und voneinander Lernen

Jeden ersten Freitag im Monat wird im Kinderfreunde-Lokal KANU zum „Café der Kulturen“ eingeladen, das die Schuldirektorin Margarethe Geyer gemeinsam mit der Kurdin Aynur Dalga Sahin organisiert. Wer Zeit hat, kommt: Neben Flüchtlingen aus Afghanistan, Aserbaidschan, Iran, Kurdistan, Makedonien, Russland und Tschetschenien zählen auch die Bürgermeisterin und der Vizebürgermeister ebenso wie zahlreiche andere Personen aus der Gemeine zu den regelmäßigen Gästen. Weil es hier auch einen Raum für die Kinder zum Spielen gibt, ist dieser Treffpunkt sehr beliebt bei den Frauen. Sevinç aus Aserbaidschan, die nach erst einem Jahr in Österreich schon fast perfekt Deutsch spricht, unterrichtete in ihrer Heimat als Geschichteprofessorin an einem Gymnasium. Weil ihr Mann als Journalist bedroht wurde, musste die Familie jedoch ihre Heimat verlassen, erzählt sie, und es fällt ihr sichtlich schwer, die Tränen zu unterdrücken. Man muss sich vor Augen halten, dass es in vielen Gegenden der Welt lebensgefährlich sein kann, die Wahrheit auszusprechen. Von den guten Kontakten profitieren alle Seiten. Während die Flüchtlinge ihre Deutschkenntnisse durch die regelmäßige Konversation verbessern, übt der Künstler Christian Tannhäuser, der sich auf einen Aufenthalt in Tirana vorbereitet, mit dem aus Makedonien geflüchteten Journalisten Remzi Albanisch: „Während Remzi die Feinheiten der deutschen Sprache studiert, lerne ich erst die Grundbegriffe seiner Muttersprache:“ Neben dem „Café der Kulturen“ werden verschiedene Veranstaltungen und Feste organisiert, um den Menschen die Möglichkeit zu geben, sich kennen zu lernen. Wer Interesse hat, diese sympathische Gemeinde zu besuchen, um sich selbst von deren gelungenem Integrationskonzept zu überzeugen, hat dazu die Gelegenheit beim „Fest der Kulturen“ am Samstag, 31. Mai im Gasthof zu Post, sowie bei Schönwetter beim Grillfest am Samstag, 7. Juni auf der Rodlwiese.

erschienen in: Talktogether Nr. 24/2008