Freiheit für Mumia Abu Jamal PDF Drucken E-Mail

 FREIHEIT FÜR

MUMIA ABU JAMAL


Wer ist Mumia Abu Jamal?

Mumia Abu-Jamal war Radiojournalist in Philadelphia während der Amtszeit des berüchtigten rassistischen Bürgermeisters Frank Rizzo (1972-1980). Mit 14 Jahren war Mumia der Black Panther Partei in Philadelphia beigetreten und stand seit dieser Zeit unter ständiger Überwachung. In den 1970er Jahren arbeitete er als freier Journalist und Radioreporter in Philadelphia. Mittelpunkt seiner Reportagen war die Dokumentation und Entlarvung der rassistischen Polizeibrutalität in den Black Communities Philadelphias und die ständigen Angriffe auf die MOVE Organisation, einer radikalen Organisation für die Rechte der Schwarzen, die er unterstützte. Wegen seiner kompromisslosen Kritik an dem Vorgehen der Regierung und seinem Eintreten für Minderheiten wurde er von den Menschen auf der Straße die "Stimme der Stimmlosen" genannt. Für seine Arbeit erhielt er zahlreiche Preise und Auszeichnungen.

Der Vorfall

Zu Beginn einer Nachtschicht in den frühen Morgenstunden des 9. Dezember '81 wurde Mumia Zeuge wie der Polizist Daniel Faulkner auf seinen Bruder William Cook während einer Verkehrskontrolle einschlug. Mumia eilte hinzu um seinen Bruder zu helfen und wurde von einer Kugel in die Brust getroffen. Auch der Polizist wurde von zwei Kugeln getroffen und erlag kurze Zeit später seinen Verletzungen. Die nachrückenden Polizisten erklärten dann den schwer verletzten Mumia Abu-Jamal zum Mörder, begannen ihn noch am Ort des Geschehens zu misshandeln und setzten ihre Folter in dem Krankenhaus fort, in das Mumia anschließend zur Behandlung gebracht wurde.

Der Prozess

Der Prozess war eine Farce. Die Jury bestand ausschließlich aus Weißen und die Zeugen wurden nachweislich unter Druck gesetzt. In ihren ursprünglichen Aussagen berichteten Zeugen übereinstimmend, dass zwei Männer vom Tatort geflohen seien. Diese Zeugen wurden bis zum Prozess von der Polizei jedoch derart eingeschüchtert und erpresst, dass sie im Sommer 1982 Mumia als Täter identifizierten. Mehrere dieser damaligen Zeugen sind heute bereit, über die Nötigungen und Erpressungen durch die Polizei auszusagen und zu berichten, was sie damals wirklich gesehen hatten. Die politischen Motive hinter der Anklage wurden dadurch deutlich, dass der Staatsanwalt revolutionäre Zitate von Mao-Tsetung vorlas, die Mumia 10 Jahre vorher in einem Interview zitiert hatte, um die Geschworenen damit von der Notwendigkeit eines Todesurteils zu überzeugen. Den Vorsitz in diesem Prozess führte Richter Albert Sabo, der "The Hanging Judge" genannt wird, weil unter ihm mehr Todesurteile entschieden wurden, als bei irgendeinem anderen Richter der USA - 90% davon gegen Afroamerikaner. Seine rassistische Voreingenommenheit wird an Hand eines Zitates deutlich, mit dem eine damalige Gerichtsprotokollantin im Sommer 2001 an die Öffentlichkeit ging: "Ich werde ihnen (der Staatsanwaltschaft) helfen, den Nigger zu grillen." Seit dem Urteilsspruch von 1982 versucht Mumia mit Hilfe der ständig anwachsenden Zahl von Beweisen ein Wiederaufnahmeverfahren zu erreichen. Seit Anfang der 90er Jahre finanziert die stetig wachsende Kampagne für seine Freiheit die Verteidigung. Bis heute ist jedoch durch alle gerichtlichen Instanzen der USA hindurch ein neues Verfahren abgelehnt worden. Obwohl immer mehr Beweise für Mumias Unschuld ans Tageslicht kamen, wurden diese vom Bundesgericht systematisch abgelehnt. Noch während der Verhandlung zur Wiederaufnahme 1995 in Philadelphia wurde ein Hinrichtungsbefehl unterzeichnet, der nur unter dem Druck weltweiter Proteste in letzter Sekunde ausgesetzt wurde.

Das Geständnis von Arnold Beverly

Anfang 2001 wechselte Mumia sein Anwaltsteam, weil seine alten Verteidiger wichtige Beweise nicht eingebracht hatten. Zu diesen Beweisen zählt unter Anderem die Aussage eines Mannes namens Arnold Beverly, die von 1999 stammt. Arnold Beverly sagte aus, er selbst sei es gewesen, der dem Polizisten Faulkner den tödlichen Schuss versetzt habe. Er sei zusammen mit einem Komplizen von korrupten Polizisten und Personen aus dem Rotlichtmilieu von Philadelphia angeheuert worden, weil sich Faulkner in die Schmiergeldgeschäfte mit der Polizei eingemischt habe. Arnold Beverly betonte außerdem, Abu-Jamal sei unschuldig. Daraufhin sah sich Richter John gezwungen, das Todesurteil vorerst aufzuheben. Doch da John Mumia Abu Jamals Verurteilung wegen Mordes ersten Grades bestätigt hat, ihn also für schuldig hält, gibt es bei einer neuen Verurteilung nur zwei Möglichkeiten: Entweder lebenslange Haft oder eine erneute Festsetzung des Todesurteils. Die kommende Berufungsinstanz ist die letzte Möglichkeit für Mumia, frei zu kommen.

Das Leben im Todestrakt

Seit dem 9. Dezember 1981 sitzt Mumia unschuldig im Todestrakt. Er ist 23 Stunden allein in seiner Zelle eingesperrt und darf keinen Kontakt zu seiner Familie haben. Trotzdem hat sich Mumia auch nach 20 Jahren nicht brechen lassen! Während seiner Inhaftierung hat Abu-Jamal seine politische Arbeit fortgesetzt. Erst die Ereignisse verhalfen dem vormalig nebenberuflichen Journalisten zu öffentlichem Gehör. Er veröffentlichte die Bücher Live from Death Row über das Leben im Gefängnis und Ich schreibe, um zu leben, eine Sammlung von Essays und Reflexionen über gesellschaftliches Leben und individuellen Lebenssinn. Durch seine Bücher und wöchentlich erscheinenden Artikel hat er bis heute nicht aufgehört Rassismus, Ausbeutung und Unterdrückung in den USA und weltweit zu entlarven. Wegen seines Buches „Aus der Todeszelle“ wurde er in Sonderhaft gesteckt. Auf der ganzen Welt arbeiten seit Jahren zahlreiche Menschen in der Solidaritätsbewegung für Mumia Abu-Jamal. Das Todesurteil wurde am 27. März 2008 aufgehoben.Gerechtigkeit für wird erst dann erreicht sein, wenn Mumia frei ist!


Texte von Mumia Abiu Jamal: http://www.labournetaustria.at/mumkolumn.htm
In Prison My Whole Life, Film:
http://www.inprisonmywholelife.com

erschienen in: Talktogether Nr. 6/2003